150 Jahre Haft für Madoff

Verfasst von Sandra vor 1 Jahr, 2 Monatn am 30. Juni 2009 und abgelegt unter Allgemeines, Leute, Weltgeschehen. Artikel abonnieren via RSS 2.0.

Madoff,-Shiny-ThingsBernard Madoff ist verantwortlich für den größten Betrugsskandal aller Zeiten an der Wall-Street. Dafür verurteilte man ihn jetzt zur Höchststrafe. Der Finanz-Jongleur muss für den Rest seines Lebens ins Gefängnis. Am Montag verurteilte ein New Yorker Bezirksgericht den amerikanischen Milliardenbetrüger zur Höchststrafe von 150 Jahren. Vor Gericht sagte er, dass er für immer mit dieser “Qual” leben muss. Für die Betrogenen ist das allerdings ein schwacher Trost.

Unter anderem klagte man den 71-jährigen wegen Wertpapierbetrugs, Geldwäsche, Meineids und Falschaussage vor der US-Börsenaufsicht SEC sowie Diebstahl von Geldern aus einem Fonds an.
Unter den Geschädigten befinden sich Hedge-Fonds wie Fairfield Greenwich und Gabriel Capital sowie der Fonds Optimal der spanischen Bank Santander. Zudem sind Privatinvestoren, weitere Banken und Stiftungen betroffen. Einige verloren sogar alles.

Madoff war Vorsitzender der Technologiebörse Nasdaq und einst geschätzter Philanthrop. Seit den 90er-Jahren baute er ein bis zu rund 65 Milliarden Dollar umfassendes Schneeballsystem auf. Mit diesem System betrog er die Investoren. Weltweit ruinierte er damit nun Tausende Anleger. Bisher identifizierte die Anklage 1341 Kundenkonten. Diese wurden um insgesamt 13 Milliarden Dollar geprellt. Unklar ist dennoch, wieviel Geld nun tatsächlich gestohlen wurde. Zahlreiche Opfer gab es dabei auch in Deutschland.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft floss das Geld neuer Anleger seit Anfang der 80er-Jahre an ältere Kunden. Als aber angsichts der Krise eine Reihe von Investoren ihr Geld abziehen wollten, flog Ende des vergangenen Jahres der Betrug schliesslich auf.

Experten erwarteten eine hohe Strafe. Die Staatsanwaltschaft forderte das maximale Strafmaß von 150 Jahren. Dies begründeten sie mit der Dauer, Art und der Schwere des Verbrechens. In einem Brief an Richter Denny Chin schrieben sie: “Das schiere Ausmaß des Betrugs ruft nach einer schweren Strafe.” Nun fällt sie mit 150 Jahren rund sechs Mal so lang aus, wie die, für die ebenfalls wegen ihrer Rolle in großen Betrugsfällen verurteilten Chefs der Konzerne Worldcom und Enron. Madoffs Fall gilt als größter Finanzbetrug der Geschichte. Das Gericht erhofft sich von der hohen Strafe eine abschreckende Wirkung. In seiner Urteilsverkündung sprach Richter Chin von “außergewöhnich teuflischen” Taten. Der Betrugs-Umfang sei “erschütternd”. Er hatte auch nicht den Eindruck, dass Madoff bei der Aufklärung des Vebrechens voll mitwirkte.
Laut Chin forderte das Federal Probation Department eine Haftstrafe von 50 Jahren.
Die Verteidigung plädierte hingegen auf 12 Jahre. Seine Anwältin Ira Lee Sorkin verwies darauf, dass Madoff geständig war und mit den Ermittlern kooperierte. Zudem fügte sie hinzu, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Die Lebenserwartung ihres Mandanten wird auf noch etwa 13 Jahre geschätzt.

Mit Jubelrufen und Applaus nahm man das Urteil auf. Cynthia Friedman, eines der Opfer, sagte: “Nie wieder kann er uns jetzt Schaden zufügen.” Allerdings ist ihr Vertrauen ins Finanzsystem auch durch die hohe Strafe nicht wiederhergestellt.

Zuvor kam es im Gerichtssaal jedoch zu heftigen Gefühlsausbrüchen. Während der Verhandlung beschimpften Madoffs Opfer ihn als Psychophaten, Bestie und Monster. Seine Anwältin räumte daraufhin ein: “Hier haben wir es mit einem Individuum zu tun, welches mit großen Fehlern behaftet ist.”

Äußerlich unbewegt hingegen, nahm Madoff sein Urteil entgegen. Zuvor jedoch entschuldigte er sich erneut für seinen “fürchterlichen Fehler”. Weiterhin sagte er, dass er sich schämt. Der sichtlich abgemagerte Chef von Nasdaq genoss an der Wall-Street jahrelang einen exzellenten Ruf. Während der Stellungnahme stützte er sich jedoch mit beiden Händen am Tisch ab. Er sprach langsam und räusperte sich immer wieder. “Ich wusste, dass das, was ich tue, falsch und tatsächlich kriminell ist.” Er betrog seine Söhne, Brüder und seine Frau. Im Laufe der Zeit hatte er sich “immer tiefer in ein Loch gegraben”. Ebenfalls sagte er, dass er für den Rest seines Lebens mit diesem Schmerz und dieser Qual leben werden muss.
Madoff,-Chattanooga-Endeavors,...Nach der Verurteilung teilte seine Frau Ruth mit, dass sie am Boden zerstört ist.

Desweiteren sagte Madoff, dass er nicht akzeptieren konnte, dieses eine Mal im Leben versagt zu haben. Seiner Familie hinterlasse er ein “Vermächtnis der Schande”. Danach drehte er sich um. Er wandte sich direkt an die anwesenden Opfer und beteuerte, dass es ihm leid tut. “Ich weiss, dass das aber nicht hilft.”

Quelle(n): FINANCIAL TIMES Deutschland
Bild(er): (c) Shiny Things,- Chattanooga Endeavors,… @ flickr.com
Thumbnail: (c) Wikipedia

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