Tausende Zivilisten flohen vergangene Woche Freitag aus der Stadt Goma im Osten des Kongo. Die Flüchtlinge befürchteten erneut Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen und wollten sich in Sicherheit bringen.
Augenzeugen und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichteten von verstopften Straßen aus der Provinzhauptstadt nahe der Grenze zu Ruanda, in der in den vergangenen Tagen Zehntausende Menschen vor einer Rebellen-Offensive Zuflucht gesucht hatten. “Die Situation ist katastrophal. Anders kann man es nicht nennen”, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes. Die Menschen verließen die Stadt nach Norden und Süden. Flüchtlinge berichteten, sie wollten in ihre Dörfer zurückkehren. Dort sei es zwar nicht sicher, aber sie hätten wenigstens Zugang zu Lebensmitteln.
Rebellenführer Laurent Nkunda hatte am Donnerstag die Eroberung Gomas angekündigt, falls die UN-Soldaten dort keine Übergriffe marodierender Regierungstruppen verhinderten. Die Mitglieder seiner Miliz wies Nkunda an, Zivilisten durch die Frontlinie fliehen zu lassen. Am Mittwoch hatte er einseitig einen Waffenstillstand ausgerufen, nachdem seine Kämpfer bis kurz vor Goma vorgerückt waren. Hilfsorganisationen nutzten die Ruhe, um in Goma und Umgebung Wasser und Lebensmittel unter den Flüchtlingen zu verteilen. Ein Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef bezeichnete die Lage in der Stadt als sehr ruhig.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an Nkunda, den Waffenstillstand einzuhalten und zum Dialog zu nutzen. Die Bundesregierung zeigte sich besorgt über die Situation im Konfliktgebiet. Europäische und US-Diplomaten bedrängten die Regierungen Kongos und Ruandas, die Unterstützung von Rebellengruppen zu beenden. Der französische Außenminister Bernard Kouchner wollte nach Angaben eines Sprechers noch am Freitag in den Kongo reisen. Menschenrechtsgruppen riefen die Vereinten Nationen auf, ihre Blauhelm-Truppe im Kongo sofort aufzustocken.
Nkunda bezeichnet sich als Verteidiger der Tutsi-Minderheit im Ostkongo und wirft der kongolesischen Armee vor, mit Hutu-Milizen aus Ruanda zusammenzuarbeiten, die für den dortigen Völkermord von 1994 verantwortlich seien. Die kongolesische Regierung beschuldigt Ruanda im Gegenzug, Nkunda zu unterstützen.









