Sie wollten für das Leben lernen. Aber ihr Leben wurde jäh beendet. In Haiti stürzte eine Schule ein und forderte bis zum heutigen Morgen mindestens 88 Todesopfer und mehr als 150 Verletzte.
Die Schule stand im Pétionville, einem verarmten Vorort der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Im dreistöckigen Gebäude waren zum Zeitpunkt des Einsturzes bis zu 700 Menschen. Die Schule wurde gerade um eine Etage erweitert, als das zweite Stockwerk während des Unterrichts einstürzte und die Schule in sich zusammenbrach.
Zur Unterstützung bei den Bergungsarbeiten haben Frankreich und die USA bereits Rettungsteam zum Katastrophenort geschickt. Michael Istvan von der amerikanischen Behörde für Entwicklungshilfe (USAID) will den Angehörigen Mut machen: „In der Geschichte gab es immer wieder Fälle, in denen Menschen 48 oder 72 Stunden später gefunden wurden – lebend und in guter Verfassung.“
Der Betreiber und Erbauer der Schule, der Priester Fortin Augustin, hat sich am Samstag der Polizei gestellt. Der Staatsanwalt Joseph Manes Louis sagte: „Er hat mir gesagt, dass er das Gebäude ganz allein gebaut hat.“ Er kenne sich mit Bauarbeiten aus, weil er früher selbst als Polier gearbeitet und deshalb keinen Ingenieur gebraucht hätte. Augustin hat so gut wie keinen Stahl verbaut, so war die Bausubstanz sehr schwach gewesen. Es gab schwere Baumängel und unzureichende behördliche Kontrollen.
Örtlichen Einsatzkräfte und Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen suchten unter erschwerten Bedingungen nach den Verschütteten. Verzweifelte Eltern gruben mit bloßen Händen nach ihren Kindern. Der tonnenschwere Trümmerhaufen bot einen schlimmen Anblick, denn es ragten immer wieder die Gliedmaßen der Verschütteten heraus. Viele mussten den traurigen Tatsachen in die Augen sehen. Josiane Dandin schluchzte: „Mein 15 Jahre alter Sohn ist tot. Er war mein einziger Sohn.“ Eine andere verzweifelte Mutter sagte: „Ich habe vier Kinder in dieser Schule und ich habe keines von ihnen gefunden.“
Quellen: FAZ und Süddeutsche Zeitung Bilder: © Wikipedia und © René Hertel @ Pixelio










