Deutsche Bahn – der nächste Schüler-Rauswurf

Verfasst von Bine vor 1 Jahr, 9 Monatn am 9. November 2008 und abgelegt unter Allgemeines, Weltgeschehen. Artikel abonnieren via RSS 2.0.

Kinder nehmt euch in Acht! Wenn ihr euch einem Zug der Deutschen Bahn nähert, achtet vorher unbedingt darauf, dass ihr eure Fahrkarte eingesteckt habt. Es sei denn, ihr seid auf einen abenteuerlichen Ausflug aus. Dann lasst am besten Ticket, Geld und Handy zu Hause.

Wie es scheint, kann man sich darauf verlassen, aus dem Zug geworfen zu werden, wenn man den Kontrolleuren kein Ticket vorweisen kann. Die Deutsche Bahn hat noch vor Kurzem ganz entsetzt auf einen Rauswurf einer 12-Jährigen reagiert und die Schaffnerin gleich suspendiert. Kommt die Frage auf, ob der Schaffner-Kollege auch keine Lust mehr hatte, seinen Dienstverpflichtungen nachzugehen?

Am Mittwoch hatte er nämlich eine 13-Jährige in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) aus dem Zug verwiesen, weil diese auf dem Rückweg von der Schule weder Geldtasche noch Schülerausweis bei sich hatte.

Wie die “Märkische Allgemeine” berichtete, habe der Beamte sich nicht erweichen lassen, als das Mädchen weinend sagte, dass es weder Geld noch Handy hätte und somit niemanden verständigen könne. Ob er ihr eventuell sein Diensthandy für einen Anruf zur Verfügung stellen könne, damit das Mädchen die Mutter anrufen kann? Nein, keine Chance. Da war es auch nicht mehr ausschlaggebend, dass es in Wittstock keine Verwandten des Mädchens gab.

Das Argument des Beamten war, dass „dies ein Diensthandy sei und ihm keiner die Gesprächskosten ersetze“, erzählte die Mutter der Zeitung. Die Mutter hatte also gar keine Möglichkeit, die geforderte Gebühr von 40 Euro in Neuruppin zu bezahlen. Schließlich half ein Taxifahrer dem Mädchen weiter, indem er es in das 42 Kilometer entfernte Neuruppin brachte.

Was dann kam, kennt man schon: der Vorfall wurde geprüft, die Deutsche Bahn entschuldigte sich bei der Familie, der Schaffner wurde vorläufig aus dem Dienst genommen und er muss mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Der Sprecher des Unternehmens betonte, dass es eine klare Regelung gäbe, Minderjährige auf keinen Fall aus dem Zug zu verweisen. Es hätte die Bundespolizei informiert werden müssen, welche für die Kontaktaufnahme mit den Eltern und die unbeschadete Heimkehr des Kindes Sorge zu tragen hätte.

Viele Fragen stellen sich in so einem Fall. Wenn das Kind schon nicht selbst imstande ist, seine Sachen vorzubereiten, ist da nicht die Unterstützung der Eltern gefragt? Wenn gerade erst vor Kurzem eine Kollegin wegen eines ähnlichen Vorfalles vom Dienst suspendiert wurde und mit dienstrechtlichen Konsequenzen rechnen muss, warum macht der Bahnbedienstete genau den gleichen Fehler? Und was auch noch interessant wäre: Hat diese Familie eigentlich auch einen Blumenstrauß und ein Länderticket bekommen?


Quelle: Spiegel
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