Pakete sind etwas Schönes. Meistens sind Geschenke darin oder langersehnte Dinge, die nun endlich ankommen. Manchmal sind auch Überraschungen enthalten. So wie in jenem Paket, welches die Pforten der JVA Willich verließ. Es enthielt einen ganz speziellen Inhalt, nämlich den Gefangenen Yasar Bayrak.
Der 37-Jährige hat sich selbst ein Geschenk gemacht, als er sich als Paket in die Freiheit versandte. Der Lastwagen mit den Paketen passierte das Tor des Männergefängnisses Anrath in Willich. Nichts Neues für den Fahrer, der regelmäßig Ladungen mit Papier und Kartons von den Werkstätten des Gefängnisses abholt.
Als er schon auf der Autobahn war, blickte er in den Rückspiegel und sah, dass die Plane im Wind wehte. Beim Nachsehen auf der Ladefläche fiel ihm ein geöffneter Karton auf. Als er hineinsah, bemerkte er, dass dieser leer war.
Sofort rief er die Anstaltsleiterin an und schlug Alarm. Diese rief die Insassen der JVA zum Abzählen. Es war wahr: ein Häftling fehlte! Der Abgängige war der Drogendealer Yasar Bayrak, der in der Kartonfertigung arbeitete. Da er an der Quelle saß, fertigte er sich selbst seinen eigenen Fluchtkarton.
Scheinbar hatte er keine Lust mehr, die restlichen drei Jahre abzusitzen. Und weil er das Glück hatte, dass die Technik des 105 Jahre alten Willicher Gefängnisses veraltet ist, konnte er dieses ohne Probleme auf dem „Paketweg“ verlassen. Wäre dort die neuere Technik installiert, dann hätten Herzschlag- und Infrarotmessungen den Ausreißer enttarnt. JVA-Leiterin Beate Peters meinte: „Allerdings wird jedes Fahrzeug, das das Tor passiert, untersucht.“ Nicht allzu effektiv, wie man sieht.
Vor allem, da schon einmal ein derartiger Ausbruch aus einem anderen Gefängnis geschah: Damals floh Farshad Seghatoleslami versteckt unter einer Ladung Tankdeckel, die man in der Werkstatthalle des Gefängnisses fertigte. Der Fahrer des Lasters, Timo G., sollte diese an eine Firma in Bissendorf liefern. Er belud den Laster mit den Paletten, auf denen die großen Kartons standen. Nichtsahnend von seiner außergewöhnlichen Fracht. Kurz darauf war der 33-jährige Iraner, der noch bis 2013 sitzen sollte, in der ersehnten Freiheit.
Quelle: BILD
Bilder: © zoedrink @ flickr, © meister @ pixelio









