Selbstmord im Fernsehen

Verfasst von vor 3 Jahre, 2 Monatn am 11. Dezember 2008 und abgelegt unter Allgemeines, TV, Weltgeschehen. Artikel abonnieren via RSS 2.0.

Erstmals wird in Großbritannien die begleitete Selbsttötung eines Menschen vor einem Millionenpublikum im Fernsehen zu sehen sein. Die Dokumentation “Recht zu Sterben” zeigte jetzt die letzten Stunden und das Sterben des todkranken früheren Universitätsprofessors Craig Ewert.

Der 59-jährige nahm sich im September 2006 mit Hilfe der umstrittenen Schweizer Sterbehilfeorganisation “Dignitas” das Leben. Der TV-Kanal “Sky Real Lives” wollte die Dokumentation von Oscar-Preisträger John Zaritsky ausstrahlen, doch Medienwächter und Anti-Sterbehilfe-Organisationen kritisierten die Dokumentation.

Ewert litt an einer unheilbaren Nerven,- und Muskelkrankheit, die zu einer Lähmung des Körpers führte, und nach Aussagen der Ärzte in zwei bis fünf Jahren zum Tod. Er war bereits ein Pflegefall, als sich der Verlauf der Krankheit beschleunigte. Daher entschied sich der 59-jährige zu einem begleiteten Selbstmord in einer Dignitas-Klinik in Zürich. Dort erhielt er einen Becher mit einer tödlichen Dosis Schlafmittel. Mit Hilfe eines Strohhalms nahm er das Mittel zu sich, da seine Arme bereits gelähmt waren. Mit dem Mund betätigte er anschließend eine Zeitschaltuhr, die sein Beatmungsgerät 45 Minuten darauf abschaltete. Die Kamera lief weiter, während er starb.

“Wenn ich das nicht mache, ist meine Wahl zu leiden, und das Leid auf meine Familie zu übertragen. Sterben werde ich trotzdem, wahrscheinlich aber schmerzhafter als auf diese Weise”, sagte Craig.
“Wenn ich komplett gelähmt wäre und nicht mehr reden könnte, wie könnte ich jemanden sagen, dass ich leide. Das wäre die Hölle”, erklärte Ewert dem Kamera-Team vor seinem Tod. “Hätte ich mich für das Leben entschieden, hätte ich mich für Folter entschieden.”

“Craig war ein Lehrer. Wenn der Tod privat und versteckt ist, sehen die Menschen ihren Sorgen davor nicht ins Gesicht. Man kann sagen, er hat diesen Film als Lehrer gemacht”, meinte Ewerts Frau Mary über die Dokumentation.

Medienexperten hingegen kritisierten: “Berichterstatter sollten unparteiisch bleiben, sonst beeinflussen sie die Öffentlichkeit oder verleiten andere Leidende zu gleichen Schritten”, teilte John Beyer, Direktor der britischen Medienwächter, mit. Dominica Roberts von der Organisation “Allianz für das Leben” meinte: “Es ist traurig und gefährlich, so etwas im Fernsehen zu zeigen.”

Die Chefin des Senders Barbara Gibbon, verteidigte die Dokumentation mit den Worten: “Das Thema betrifft immer mehr Menschen und diese Dokumentation gibt einen informativen, gut verständlichen und lehrreichen Einblick in Entscheidungen, die manche Menschen treffen müssen”.

Craig Ewert sagte, er wolle einfach nur in Würde und selbstbestimmt sterben – und Millionen Menschen werden dabei zusehen.

Quelle(n): RTL
Bild(er): (c) Reuters RTL, Ivan25 @ flickr.com
Thumbnail: (c) dreizehn28 @flickr.com

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