Gut ein Jahr nach der blutigen Anschlagsserie in Mumbai trafen sich gestern Vertreter Indiens und Pakistans zu Direktgesprächen. Somit versuchen die beiden Länder wieder Vertrauen zu einander aufzubauen, um die nach den Bombayanschlägen im November 2008 unterbrochenen Friedensgespräche neu anzuwerfen.
Pakistans Außenstaatssekretär Salman Baschir sprach nach der Ankunft in Neu-Delhi von der „Hoffnung auf einen positiven Ausgang“. Baschir versucht „Differenzen zu überbrücken“, während seine indische Amtskollegin Nirupama Rao nicht zögerte gleich eine konkrete Bitte zu äußern. Sie verlangt die Festnahme von acht Terroristen. Einer von ihnen ist Hafiz Saeed. Er ist der Gründer der radikalislamistischen Lashker-e-Taiba und mutmaßlicher Rädelsführer der Anschläge mit über 170 Toten. Saeed bewegt sich momentan frei im Land, trotz gegenteiliger Beteuerungen Pakistans.
Bei einer Pressekonferenz nach dem Treffen nannte Rao Pakistans Position „nicht zufriedenstellend“. Außerdem bemängelte sie auch das vorherrschende „Vertrauensdefizit“. Pakistan muss daher noch viel Überzeugungsarbeit leisten, so Rao.
Um die 2005 begonnene Friedensrunde offiziell wieder aufzunehmen, galt ein Gespräch über die Vereinbarung eines baldigen nächsten Treffens als Erfolg. Beide Staatssekretäre schwiegen sich dazu allerdings aus. Indien und Pakistan sind schließlich in nahezu allen Streitpunkten anderer Meinung. So verlangt Islamabad als zentrales Thema der Gespräche die Unruheprovinz Kaschmir, die von beiden Nationen beansprucht wird. Indien will dagegen den Terrorismus pakistanischer Extremisten ansprechen.
Nach dem Terrorangriff auf Bombay Ende November 2008 legte Neu-Delhi die 2004 begonnenen Friedensgespräche für unbestimmte Zeit auf Eis. Pakistan ging jedoch in den vergangenen Monaten verstärkt gegen Extremisten vor. Aufgrund dessen stand Indien unter wachsenden internationalen Druck, den Dialog wieder aufzunehmen.
Insbesondere den USA liegt angesichts des Afghanistan-Einsatzes viel an der Stabilisierung der Region. Die Vereinigten Staaten machten sich daher auch schon im Vorfeld für die Gespräche stark. Schließlich wachsen die indisch-pakistanischen Rivalitäten auch in Afghanistan und drohen somit sämtliche Bemühungen der Nato zur Beendigung des dortigen Kriegs zu unterlaufen.
Quelle(n): tagesspiegel.de
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