Musikroduzent Phil Spector wurde in Los Angeles wegen Mordes an der Schauspielerin Lana Clarkson verurteilt.
Seine Ehefrau hält die Hand vor den Mund. Später bricht sie in Tränen aus. Sein Anwalt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Nur der Angeklagte Phil Spector selbst, bleibt regungslos, als die Sprecherin der Geschworenen das Wort „schuldig“ ausspricht. Der einst erfolgreiche Plattenproduzent saß während seines gesamten Mordprozesses mehr oder weniger schweigend da. So bleibt er sich auch am Tag der Urteilsverkündung treu.
Phil Spector war der Mann mit dem unfehlbaren Riecher für Erfolge. Eben der Hit-Produzent der sechziger und frühen siebziger Jahre. Er produzierte Tina Turner, die Ramones und die Beatles. Dabei verdiente er Millionen. Doch am Ende bleibt nur das Bild eines kaltschnäuzigen Psychotikers übrig, der einer Frau ohne besonderen Grund eine Pistole in den Mund steckt und abdrückt. Selbst ein bekennender Spector-Fan aus der Jury hielt nach 30-stündiger Beratung den 68-Jährigen für schuldig.
Im Februar 2003 soll Spector die 40-Jährige Schauspielerin Lana Clarkson in seinem Anwesen bei Los Angeles erschossen haben. 2007 saß er schon einmal wegen dieser Tat vor Gericht. Damals konnte sich die Jury allerdings nicht einigen. Die Staatsanwaltschaft verfolgte aber beim neu aufgerollten Prozess dieselbe Taktik wie vor zwei Jahren. Die Öffentlichkeit und die Geschworenen sollten dem gealterten Star jede Schandtat zutrauen und ihn verabscheuen.
Die Ankläger ließen einen Bodyguard aufmarschieren. Er hörte Spector bei einer Party sagen, dass man allen Frauen in den Kopf schießen sollte. In den Zeitungen standen Artikel, wonach Spector auf oft im Studio mit Revolver auftauchte. Er soll sogar im Beisein John Lennons einmal in die Decke geschossen haben. Die Staatsanwälte thematisierten auch seine berüchtigten Wutanfälle, seinen Alkoholmissbrauch und sein tyrannisches Verhalten als Ehemann und Vater. Fünf seiner Ex-Freundinnen erzählten, dass er ihnen eine Schusswaffe vors Gesicht hielt, aber nie abdrückte.
Truc Do, die Anklägerin, dramatisierte dies zu einem „russischen Roulette“. Sie nannte Spector auch einen „teuflischen Verrückten“ und meinte dazu: „Bei fünf Zeuginnen war die Trommel eben leer. Doch Clarkson bekam die Kugel schließlich ab.“
Spectors Verteidiger wollten das Opfer als mindestens ebenso kaputte Persönlichkeit darstellen. In den Achtzigern hatte Lana Clarkson Auftritte in den Erfolgsserien wie „Das A-Team“, „Wer ist hier der Boss?“ oder „Knight Rider“. Danach spielte sie in B-Movies. Der Durchbruch gelang ihr nicht. Deshalb erschoss sich Clarkson wegen einer persönlichen Krise schließlich selbst, als sie in seinem Anwesen gerade die Pistole „küssen“ wollte, wie Spector einmal sagte.
In Los Angeles herrscht über das Urteil laut einem Bericht der Los Angeles Times Jubelstimmung bei der Staatsanwaltschaft. Eine Sprecherin erklärte, dass man seit 40 Jahren keinen einzigen Prominenten wegen Mordes schuldig sprach. Eine Jury erklärte 1995 in L. A. den wegen Mordes angeklagten Ex-Footballstar O. J. Simpson für nicht schuldig. Später kokettierte er jedoch, der wahre Täter zu sein. 2005 sprach man den angeklagten Schauspieler Robert Blake wegen Mordes an seiner Ehefrau frei. Daraufhin attestierte die Staatsanwaltschaft der Jury „unglaubliche Dummheit“. Dazu sagte er, dass die Gesetze der Schwerkraft bei Celebrity-Prozessen eben außer Kraft gesetzt werden.
Im Fall Spector war es diesmal aber anders. Auf Mord mit bedingtem Vorsatz stehen mindestens 18 Jahre Haft. Im deutschen Recht ist dies mit Totschlag vergleichbar. Im Mai gibt der Richter das Strafmaß bekannt. Noch am Montag nahm man Spector in Haft. Widerstandslos ließ er sich aus dem Saal führen. Dutzende Polizisten umringten ihn. Die Verteidiger kündigten Berufung an.
Quelle(n): sueddeutsche.de
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