Experten erwarten Seuche auch in Deutschland

Verfasst von vor 2 Jahre, 9 Monatn am 27. April 2009 und abgelegt unter Allgemeines, Leute, Politik Ausland, Politik Inland, Weltgeschehen. Artikel abonnieren via RSS 2.0.

influenza-virus_wikimedia_500x428Die Angst vor einer weltweiten Ausbreitung der Schweinegrippe wächst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt bereits Seuchenalarm. Es wird befürchtet, dass Reisende den gefährlichen Virus A/H1N1 von Mexiko in die ganze Welt tragen. Bis gestern starben in Mexiko 103 Menschen, sagt Gesundheitsminister José Ángel Córdova. Zudem berichtete der Minister, dass derzeit 1614 Grippekranke im ganzen Land in Hospitälern behandelt werden. 26 Infizierte stellte man in Nordamerika fest.

Gestern riefen die USA den Gesundheitsnotstand aus. Das bedeutet die Bereitstellung zusätzlicher Bundesmittel für Vorsorgemaßnahmen. Im Weißen Haus rechnet man mit einem „Marathon“.

Wissenschaftler wollten einen Schnelltest für das neue Virus entwickeln, erklärten die Gesundheitsbehörden in Hongkong. Die neue Art der Grippe wird gerade analysiert und ein Impfschutz gesucht. Somit sollen Ergebnisse schon heute, statt bislang in zwei bis drei Tagen, vorliegen.

Mit einer Spezialkamera prüfen südkoreanische Gesundheitsbehörden am Flughafen von Seoul bereits internationale Reisende. Mögliche Kranke schickt man zum Grippe-Test. Die Wärmebildkamera erfasst jeden Passagier. Blau zeigt die Normaltemperatur an, bei Rot schlägt sie Alarm. Rot steht für Fieber, welches eines der Symptome der Schweinegrippe ist.

Die Regierungen der Länder Russland, Polen und Venezuela warnten gestern ihre Bürger offiziell besonders vor Reisen in das mittelamerikanische Land.

Vom Auswärtigen Amt (AA) in Berlin gab es zunächst keine Reisewarnungen. Auf der Internet-Seite des AA hieß es gestern lediglich, dass Reisenden empfohlen wird, die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen.

Grippeviren sind die bekanntesten wandlungsfähigsten Erreger. Oft entstehen durch sie neue gefährliche Typen. Nach Angaben der WHO ist der Erreger in Mexiko eine neue Variante des Typs H1N1. Es ist der gleiche Erreger, der auch Auslöser der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920 war. Weltweit starben damals mindestens 25 Millionen Menschen daran.

Das Fatale an dieser Grippe ist, das der Virus genetische Merkmale von Schweinen, Vögeln und Menschen aufweist. Daher überträgt sich die Grippe nicht nur von Tier zu Mensch, sondern auch von Mensch zu Mensch. Laut WHO hat die Grippe das „Potential für eine Pandemie“. Eine Krankheit, die sich also weltweit ausbreiten kann. Möglicherweise erreicht sie so auch bald Deutschland.

In Mexiko-Stadt sind mitlerweile 70 Prozent aller Kneipen geschlossen. Viele Menschen sind mit Atemmasken unterwegs. Soldaten suchen nach Menschen mit Symptomen wie Fieber und Halsschmerzen.

Der Virus sprang rasend schnell auf die USA über. Bei zwölf Patienten in Texas, Kansas, Ohio und Kalifornien ist die Krankheit bestätigt. Nach einem Mexiko-Trip zeigen im New Yorker Stadtteil Queens 100 Schüler die Symptome. Acht von ihnen sind definitiv infiziert. In einer Kinderkrippe im Stadtteil Bronx erkranten 30 Kinder, mit Verdacht auf Schweinegrippe. Auch US-Präsident Barack Obama (47) wurde nach einem Staatsbesuch in Mexiko getestet. Das Ergebnis ist negativ.

Ebenfalls erreichte die Grippe bereits Europa. In Spanien stehen drei Menschen unter Beobachtung, die aus Mexiko zurückkehrten. In Frankreich gibt es vier Verdachtsfälle.

Gestern landeten in Frankfurt/Main zwei Flieger aus Mexiko. Die Besatzung achtete gezielt auf Grippesymptome. Allerdings schienen alle 625 Passagiere gesund zu sein.

Die deutschen Behörden nehmen die Gefahr sehr ernst. Das Münchner Gesundheitsamt warnt: „Für den Fall einer Influenzapandemie wurden alle Krankenhäuser, Behörden und Ärzteschaft auf die Notwendigkeit eigener Pandemiepläne hingewiesen.“ Zur Vorbereitung warnt das Amt, die Vermeidung von Handkontakt, Anniesen und Anhusten. Die Symptome sind ähnlich einer normalen Grippe. Durchfall und Übelkeit können allerdings stärker als bei sonstigen Grippeinfektionen ausgeprägt sein.

Gestern wurden die Krisenstäbe in den Bundesländern per Telefonkonferenz mit dem Robert-Koch-Institut in Berlin zusammengeschaltet. Sobald ein erster Infizierter auftaucht, tritt der Notfallplan in Kraft. Dies beinhaltet Kontrollen an den Flughäfen, Verteilung von Grippemitteln an Ärzte und Polizisten.

Die Schweinegrippe ist eine ganz normale Atemwegserkrankung, bei der Todesfälle relativ selten sind. Erst wenn Schweine mit Schweine,- Vogel und Menschenviren infiziert sind, können sich die Gene in ihrem Körper austauschen und so ein neuer Virustyp entstehen. Diese Vereinigung der tierischen und menschlichen Gene macht das Virus so gefährlich, was in diesem Fall offenbar geschehen ist.

Laut US-Seuchenschutz ist es allerdings nicht gefährlich Schweinefleisch zu essen, da sich die Grippe nicht durch Lebensmittel überträgt. Ganz sicher ist, wer sein Schweinefleisch auf mehr als 72 Grad Celsius erhitzt. Bei dieser Temperatur ist das Virus sicher abgetötet.

schweine_wikipedia_180x72Aktuelle Informationen bietet das Robert-Koch-Institut im Internet unter rki.de. Sicherheitshinweise und Reiswarnungen finden sich unter auswaertiges-amt.de.

Quelle(n): Bild.de
Bild(er): (c) Wikipedia, Wikimedia
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